Kinderschutzbund

Ich schloss mich einer kleinen Gruppe an, die die Gründung eines Kinderschutzbundes (KSB) in Erlangen vorbereitete. Sofort mit der Vereinsgründung im Juli 1976 übernahm ich eine Vorstandsfunktion. Anfangs war es schwierig. Unsere euphorische Unerfahrenheit wurde harten Bewährungsproben unterzogen. All die erforderlichen Regularien die ein neugegründeter Verein beachten musste: Inhalte nach außen tragen, Ämter überzeugen, Geldgeber finden, Formulare ausfüllen, Finanzamt, Versicherungen ...

Für den Aufbau und die Gestaltung eines Vereins sind Ideen, Eigeninitiative, Disziplin und Sachkompetenz erforderlich. Für mich war es immer wichtig möglichst viele Mitglieder in die Entscheidungen und natürlich auch in die ehrenamtliche Arbeit mit einzubinden. Das 11. Gebot, "Du sollst nicht aufgeben", ging mir in Fleisch und Blut über. Gemeinsam konnte vieles erreicht, erarbeitet und finanziert werden.

Eines unserer wichtigsten Ziele war Müttern und Vätern den alltäglichen Umgang mit ihren Kindern zu erleichtern und damit eine gute Atmosphäre in der Familie zu schaffen, die Kinder für eine positive Entwicklung brauchen. Um dem näher zu kommen organisierten wir eine Vielzahl von Vorträgen, Referaten und Gesprächskreisen. Für die fachliche Seite konnten wir Psychologinnen/Psychologen, Lehrbeauftragte, Ärztinnen/Ärzte, Mitarbeiter von Fachämtern, Krankenschwestern und andere Fachleute gewinnen.

Mit Arbeitsgruppen wie Schule, Stillen, Krankes Kind, Laienhelferinnen für Elternberatung, Scheidungskinder und Mutter/Vater-Kind-Gruppen erwarb sich der Kinderschutzbund einen guten Namen und einen hohen Bekanntheitsgrad in Erlangen und Umgebung.

Aktionen, angefangen mit regelmäßiger Gastarbeiterkinder-Betreuung, Weihnachtsgeschenkpakete, Verteilung von 10.000 Radreflektoren (bevor diese gesetzliche Auflage waren) an Kinder, Schulranzenwiegen (ein großer Teil war viel zu schwer), Adventskranzbinden, gesundes Pausenbrot (verbunden mit Wissensvermittlung zum Thema Zucker), Babysitter-Ausbildung, Spielsachenkauf für die Kinderklinik, Fahrrad-Geschenke (für Kinder aus sozial schwachen Familien), pädagogisch begleitete Alkohol-Testkäufe (Alkohol-Missbrauch war, und ist, leider ein erstes Problem bei Jugendlichen), die Sandaustauschaktion nach Tschernobyl, über Kunstauktionen um zu Geld zu kommen, dem 1. Kinderparlament im Rathaus, regelmäßiger Versand von Elternbriefen, einen mit viel Mühe erstelltem Kinderstadtführer und der Einrichtung eines täglich besetztem Kinder- und Jugendsorgetelefons bis zum Projekt Sicher-Stark-Frei (Präventionsarbeit von Fachleuten mit Schulkindern), stärkten das Ansehen unseres Erlanger Kinderschutzbundes.

Der Einzug in eigene Räume 1986 (vorher war das Büro bei uns zuhause) erleichterte die Arbeit. 1998, nach 22 Jahren, die letzten 14 als Vorsitzende, zog ich mich, auch wegen meiner Stadtratstätigkeit, aus der aktiven KSB-Arbeit zurück. An meine Nachfolgerinnen konnte ich eine stabile, funktionierende Einrichtung übergeben. Mit über 600 Mitgliedern, davon 50 Ehrenamtliche (fast nur Frauen) war er nach München die zweitgrößte Organisation in Bayern.

Ich habe so ca. 30.000 Stunden für den KSB gearbeitet. Stunden der Freude, Begeisterung, Zweifel, Hektik, Ohnmacht, Einsamkeit, Geselligkeit, Erfolge. Die ganze Palette menschlicher Gefühle. Ehrenamt pur. Dafür wurde mir die Medaille zum Bundesverdienstkreuz verliehen.
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